Elektrische Kenndaten von Glühlampen

Glühfäden von Glühlampen werden inzwischen aus Wolfram(-legierungen) hergestellt.3.16 Wolfram ist ein Kaltleiter, d.h. mit steigender Temperatur steigt der Widerstand, bei konstanter Spannung sinkt dann der Strom. Die Zulassungsvorschriften ignorieren dies. Für die genauere Betrachtung des Verhaltens der Lichtanlage ist diese Vernachlässigung aber unzulässig. Erstrecht interessant wird es, wenn die später noch genauer betrachten, Alterungseffekte mit berücksichtig werden. Vorerst werden diese Probleme vernachlässigt.

Glühlampen für Fahrräder werden u.a. in der Norm DIN 49848 Teil 1-5 genormt (Stand Januar 2002):

49848-1
Vakuummbirnen mit einer Betriebsspannung von 6 V. B1 mit 2,4 W und E10-Gewinde, B2 mit 0,6 W und E10-Gewinde B3 mit 0,6 W und BA9s-Sockel. (Stand Januar 1990)

49848-2
Halogenbirne HS3 6 V/2,4 W mit PX13,5s-Sockel für Scheinwerfer von 6 V-Anlagen. (Stand Januar 1990)

49848-3
Glühbirnen für batteriegestützte Beleuchtung mit PX13,5s-Sockel. Form C 2,5 V/0,75 W, D 2,4 V/1,68 W, E 2,8 V/1,4 W, F 6 V/5 W und G 12 V/5 W. (Stand Juni 2001 Entwurf)

49848-4
Halogenbirne HS4 13,5 V/5 W mit PX13,5s-Sockel. Umgangssprachlich 12 V aber für die 13,5 V aus dem Automobilbereich (ungefähr Ladeendspannung Bleiakku) ausgelegt. (Stand März 1998 Entwurf)

49848-5
TF5 13,5 V/1,2 W für mittelalterliche=präLeuchtdiodenzeit-Rücklichter von 12 V-Fahrrad-Beleuchtungsanlagen. (Stand Oktober 1998)

Interessant sind u. a. die Lebensdaueren (vgl. Tabelle 3.6).

Die Stromaufnahme $I$, der Widerstand $R$ und die Leistungsaufnahme $P$ einer Glühlampe können als ein Funktion der Spannung ausgedrückt werden. Hier werden mit einem Labornetzgerät die Spannung und Stromaufnahme von Fahrradglühlampen gemessen und in Polynomen zweiten Grades approximiert. Die Meßdaten sind im Anhang wiedergegeben:

Für eine Standardkombination aus 6 V/2,4 W und 6 V/0,6 W ergeben sich dann:


$\displaystyle I_{\mbox{\footnotesize ges.}}(U)$ $\textstyle =$ $\displaystyle I_{\mbox{\footnotesize Halogen}}+I_{\mbox{\footnotesize R\uml {u}ckl.}}
= 0,1597 + 0,0718 U - 0,0027 U^2$ (3.34)
$\displaystyle R_{\mbox{\footnotesize ges.}}(U)$ $\textstyle =$ $\displaystyle \frac{1}{\frac{1}{R_{\mbox{\tiny Halogen}}}+\frac{1}{R_{\mbox{\ti...
...rac{U}{I_{\mbox{\footnotesize ges.}}}
=\frac{U}{0,1597 + 0,0718 U - 0,0027 U^2}$ (3.35)
$\displaystyle P_{\mbox{\footnotesize ges.}}(U)$ $\textstyle =$ $\displaystyle P_{\mbox{\footnotesize Halogen}}+P_{\mbox{\footnotesize R\uml {u}ckl.}}
= - 0,0956+ 0,2664 U + 0,0403 U^2$ (3.36)

Das ist nicht so konstant, wie es die TAs annehmen. Wenn jetzt noch die Supressordioden berücksichtigt werden sollen, so wird das Verhalten für eine theoretische, geschlossene Lösung des Gleichungssystemes erstrecht ekelhaft. Lumitron (http://www.lumitroncorp.com) gibt für die Abhängigkeit der normierten Leistungsaufnahme von der normierten Spannung auf den W3-Seiten (http://www.) einen Exponenten von 0,55 an.

Relativ neu sind, aus der Automobilindustrie kommend, blaue bzw. bläuliche Lampen, manchmal blue vision genannt. Ein Vertreter ist hier die Philips HPR60BV (~~~K141). Es ist eine normale HS3-Lampe (HPR60), allerdings eine ausgesucht helle Variante, bei der mit einer Lackschicht die rötlichen Lichtanteile ausgefiltert werden. Der Sinn scheint eher werbewirksam zu sein. Vergleiche auch hierzu die Bemerkungen auf S. [*].

Olaf Schultz, Hamburg-Harburg
2008-07-15